Wappen Unterallgäu Kloster Ottobeuren

 

 

   Kloster Ottobeuren

 

 POI-Art: Sehenswürdigkeit, Kloster, Kirche
 Besonderheit: Fresken von Johann Jakob und Franz Anton Zeiler
 Baustil: Spätbarock/Rokoko
 Baujahr: 1748–1766
 Adresse: 87724 Ottobeuren, Sebastian-Kneipp-Str. 1
 Geo: 47.941389, 10.298056
 Lage:

Karte

 Parken: Sebastian-Kneipp-Str.
 Bewertung: 5*****  (von 5*****)
 Links:

abtei-ottobeuren.de

de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Ottobeuren

de.wikipedia.org/wiki/St._Alexander_und_Theodor_(Ottobeuren)

 

Das Kloster Ottobeuren wurde lt. Überlieferung im Jahr 764 durch den alemannisch-fränkischen Gaugrafen des Iller-/Günztales Silach, seiner Gemahlin Erminswit und deren Söhne Totto und Gauzibert gegründet, nachdem die Brüder die angeblichen Reliquien des Märtyrers Alexander von Rom mitgebracht hatten. Totto wurde erster Abt des gegründeten Klosters.
972 gewährte Kaiser Otto I. dem Kloster das Recht der freien Abtswahl und die Befreiung von allen Reichslasten und erhob sie zur Reichsabtei.
Unter Abt Adelhelm begann 1086/89 ein Neubau von Kloster und Kirche, einer wohl dreischiffigen Basilika mit Osttürmen, 1126 geweiht unter dem später seliggesprochenen Abt Rupert I. (1102-1145), der gleichzeitig die Hirsauer Reform im Kloster einführte.
Nach Bränden von 1153 und 1217 erfolgte ein Wiederaufbau.
Ab 1268 als reichunmittelbare Abtei, umfasste die Klosterherrschaft auch 27 Dörfer des Umlandes, unterstand jedoch 1356-1710 dem Hochstift Augsburg.
Nach einer Zeit des Niedergangs im 15. Jh. (auch 1525 wurde das Kloster samt Kirche im Bauernkrieg geplündert) begann unter den Äbten Leonhard Wiedenmann (1508-1546) und Kaspar Kindelmann (1547-1584) eine neue Blüte.
In den Jahren 1550-53 erfolgte ein Neubau der Kirche im Stil der Renaissance (am 21. Sept. 1558 geweiht) und nach einem Brand 1566 auch ein Neubau des Klosters.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche samt Kloster zwischen 1630 und 1635 mehrmals verwüstet.
Die nach dem Dreißigjährigen Krieg einsetzende wirtschaftliche Gesundung der Abtei führte zu den Baumaßnahmen des 18. Jh., die eine vollständige Erneuerung von Kloster und Kirche zum Ziel hatten; Abt Rupert II. Neß (1710-1740) übte auf die Planungsgeschichte und Ausführung entscheidenden Einfluss aus.

Bereits 1711 lagen Risse zum Neubau der Klostergebäude von Johann Jakob Herkommer und dem Münchener Karmelitenfrater Dominikus Loiper vor. Mit einigen Änderungen wurde jedoch ein Entwurf des Ottobeurer Klosterbruders Christoph Vogt, der als Sachverständiger beigezogen wurde, zur Ausführung bestimmt.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Mai 1711. Unter Leitung von Johann II. Brenner entstand bis etwa 1715 der Ostteil der Klosteranlage, der Konventbau.
1717 übernahm Simpert Kraemer die Bauleitung; bis 1719 wurde der Mitteltrakt errichtet. Der westliche Längsflügel des Gästbaus wurde bis 1720 im Rohbau fertiggestellt; mit der Benediktuskapelle und der darüberliegenden Abtskapelle um 1724 die Anlage im Norden geschlossen. 1731 erfolgte die Vollendung der Klostergebäude.

Für den Neubau der Klosterkirche erstellte der Prior des Klosters P. Christoph Vogt als Hausarchitekt ab 1711 erste Pläne für eine kreuzförmige, basilikale Anlage im Typus der Kollegienkirche in Salzburg.
Ab 1720 bewarben sich auch mehrere Architekten um den Neubau der Kirche, zunächst Donato Giuseppe Frisoni, Kaspar Radmiller (vor 1730) und Andrea Maini, später auch so bedeutende wie Dominikus Zimmermann (1732) und Joseph Schmuzer (1734/35); doch obwohl P. Christoph Vogt 1725 starb, blieben seine Pläne grundlegend für die Lage, die Baulänge und die innere Form der Kirche.
Erst Simpert Kramer konnte sich 1736 mit seinen Plänen durchsetzen und wurde von Abt Rupert II. Neß mit der Leitung des Neubaus beauftragt.
Kramer orientierte sich stark an der 1724 eingeweihten Basilika in Weingarten.
Am 27. September 1737 wurde der Grundstein für den Neubau der Klosterkirche gelegt.
Nach dem Tod des Abts Rupert II. Neß am 20. Oktober 1740 entzog sein Nachfolger, Abt Anselm Erb, dem Baumeister Simpert Kramer 1744 die Bauleitung.
Der Münchner Hofbaumeister Joseph Effner wurde beauftragt die Pläne zu überarbeiten, doch sein Tod 1745 machte einem erneuten Wechsel der Bauleitung nötig. Der Münchner Architekt Johann Michael Fischer, der damals schon als der bedeutendste Kirchenbaumeister galt, übernahm 1748 den noch in den Fundamenten steckenden Bau.
1748 erfolgt der Abbruch der alten, westöstlich gerichteten Kirche; bis 1753 wird der Rohbau und das Dachwerk fertiggestellt, im Mai 1755 waren die Maurerarbeiten an den Gewölben beendet.
Bei der Bewerbung um die Innenausstattung setzte sich 1755 Johann Michael Feichtmayr gegen seinen Cousin und Konkurrenten Joseph Anton Feichtmayr durch; auch wurden Verträge mit den Tiroler Malern und Freskanten Johann Jakob Zeiller und Franz Anton Zeiller für die Ausmalung der Gewölbefelder geschlossen; die Freskierung ist 1757-59 ausgeführt; die Stuckierung 1757-1764.
Die beiden Türme sind 1760 vollendet worden; 1764-1766 wurden die Altäre errichtet.
Am 28. September 1766 begann eine achttägige Feier zur Einweihung der Kirche; mit dieser Einweihung feierte das Kloster auch sein 1000-jähriges Jubiläum nach, das man wegen der noch nicht fertiggestellten Kirche um zwei Jahre verschoben hatte.

1802 wurde die Reichsabtei Ottobeuren im Zuge der Säkularisation aufgelöst, die Kirche ging in den Besitz des Kurfürstentums Bayern, später in das Königreich Bayern über. Der Klosterbesitz wurde verkauft und versteigert, Achtzehn der ursprünglich achtundvierzig Mönche konnten jedoch in Ottobeuren bleiben.
1812-1814 war das Kloster Kriegsgefangenenlager für französische Kriegsgefangene. Später baute man einzelne Wohnungen ein für Bedürftige der nachfolgenden Spitalstiftung St. Josef.
1834/35 erfolgte die Wiedererrichtung des Klosters durch König Ludwig I. als Priorat der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg.
1918 wurde es dank einer privaten Schenkung wieder selbständige Abtei.
Am 25. Januar 1926 verlieh Papst Pius XI. der Abteikirche mit dem Apostolischen Schreiben "Refert ad Nos" den Titel einer Basilica minor.
Von 1946 bis 1975 betrieb das Kloster in seinen Räumen ein Progymnasium in der Form eines Jungeninternats: das Collegium Rupertinum.
Zwischen 1960 und 1964 erfolgte zur 1200-Jahrfeier der Abtei eine umfassende Innen- und Außenrenovierung der Basilika.
Von 1984 bis 1993 war das Kloster Ottobeuren als Kandidat für die Erhebung zum Weltkulturerbe auf der Tentativliste der UNESCO platziert.
Nach Rissen und Putzabfall aus den Gewölben infolge des Horizontalschubs der ungünstig ausgelegten Dachkonstruktion und Drucks auf die Außenwände des Mittelschiffs sowie Feuchtigkeitsschäden, erfolgte von 2004 bis 2010 eine umfassende Renovierung des Dachstuhls, der Türme sowie der Deckengemälde.
In der Klosterkirche und im Kaisersaal finden klassische Konzerte mit hochkarätigen Orchestern, Chören und Dirigenten im Rahmen der "Ottobeurer Konzerte" statt. Die berühmten Orgeln kann man zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober samstags um 16:00 Uhr in der Reihe „40 Minuten Orgelmusik“ erleben.

 

 

Etwas erhöht über dem Ort Ottobeuren beherrscht die imposante Gesamtanlage des Klosters das Tal der westlichen Günz; von den umliegenden Höhen aus bietet sie ein beeindruckendes Bild von barocker Pracht und Monumentalität. Dabei setzt die, aus dem regelmäßigen, den Abfall des Geländes nach Osten geschickt ausgleichende Geviert der Konventgebäude, nach Norden vorstoßende Kirche, einen großartigen Hauptakzent.
Die nord-südlich ausgerichtete Klosterkirche ist das Ergebnis eines langdauernden, durch eine seltene Planfülle der damals angesehensten, süddeutschen Architekten dokumentierten Entwicklungsprozesses, dem der Baumeister Johann Michael Fischer die entscheidende, dem hohen Architekturniveau des mittleren 18. Jh. entsprechende Prägung gab. So entstand eines der beeindruckendsten Kirchenbauten der Barockarchitektur in Süddeutschland.

Der "schwäbische Escorial" schließt sich nach Westen gerichtet südlich an die Kirche derart an, dass diese die Querachse bildet.
Das riesige Geviert von 142 zu 128 m, ist durch einen Quertrakt in Nord-Süd-Richtung in eine westliche Hälfte mit großem, längsrechteckigem Hof und in eine östliche, durch den eingestellten Bibliotheksbau in zwei kleinere Rechteckhöfe geschiedene Hälften geteilt.
Alle Flügel sind dreigeschossig, lediglich die Bibliothek und der Kaisersaal sind durch ein zusätzliches niedriges Geschoss hervorgehoben.
Darüber und über den risalitartig vortretenden Eckbauten sind Walmdächer, sonst Satteldächer gesetzt.
Die Architekturformen sind von nüchterner Schlichtheit, die langgstreckten Trakte sind allein durch sparsame architektonische Malereien und flache Mittelrisalite unter geschweiften Giebeln belebt.
Die Westseite ist als representative Eingangsfront ausgebildet: die fünf mittleren Achsen sind konkav-konvex nach vorne geschwungen mit rundbogigem, von Freisäulenpaaren flankiertem Portal und einer Giebelädikula; seitlich nach einem flachen Intervall sind die Treppenhäuser als zweiachsige Risalite unter Volutengiebeln eingebaut. An den Längsseiten des westlichen Hofs befinden sich Mittelrisalite mit westlich fünf, östlich drei Achsen sowie Portale zwischen Freisäulen bzw. Pilastern; am Mittelpfosten des Ostportals sitzt eine geschnitzte Hermenkaryatide mit Putto.

Der klaren äußeren Ordnung entsprach eine in allen Teilen durchdachte, innere Struktur, die weltliche und geistliche Bereiche genau definierte und umfassend ausstattete, sodass das Kloster Ottobeuren als Musterbeispiel eines funktionsgerechten barocken Reichsstifts gelten kann.
Während der klösterliche Konventbau aus dem Osttrakt und den drei senkrecht nach Westen vorstoßenden Querflügeln bestand, nahm der lange Quertrakt die klösterlichen Wirtschaftsräume, die reichsstiftische Verwaltung und Regierung sowie den Wohn- und Repräsentationsbereich des Abts (sog. Winterabtei, auch Rote Abtei genannt) auf, der sich bis in die Mitte des südlichen Flügels (sog. Sommerabtei, auch Grüne Abtei genannt) hinzog.
Den weltlichen Belangen diente vor allem der Westbau, der Schule, Seminar, Wohnungen für Studenten und vornehme Gäste sowie Räume zur standesgemäßen Repräsentation als Reichstift enthielt.
Die anspruchsvole und in diesem Umfang in Deutschland einmalige Ausstattung der Zimmer und Säle mit Fresken, Stuckdekor und Stuckplastik, war im wesentlichen Verdienst des Auftraggebers, Abt Rupert II. Neß, dessen universale Bildung in Einheit mit hohen künstlerischen Anforderungen jedem einzelnen Raum durch ein komplexes theologisches Programm ein eigenes, der jeweiligen Nutzung entsprechendes Gepräge verlieh.
Die Klostergebäude sind teilweise im Rahmen des Klostermuseums den Besuchern zugänglich. Der repräsentative Kaisersaal und andere Säle belegen in ihrer reichen Ausstattung den materiellen Reichtum, die politische Macht und das damit einhergehende Repräsentationsbedürfnis der Reichsabtei; der intime Theatersaal ist ein Zeugnis für die kulturelle Blüte Ottobeurens zur Barockzeit.
Besonders bedeutend ist die Klosterbibliothek, deren Ursprünge in der Gründungszeit des Klosters liegen. Sie ist mit den prächtigen Deckenbildern von Elias Zobel, den Stuckdecken von Johann Baptist Zimmermann und der homogenen barocken Inneneinrichtung ein wichtiger Teil des Gesamtkunstwerks der Klosterarchitektur. In der Bibliothek befinden sich neben vielen mittelalterlichen Handschriften, Hunderten von Inkunabeln und frühen Drucken etwa 15.000 in Schweinsleder gebundene Folianten.

Das machtvolle, wohlproportionierte Äußere der kreuzförmigen Klosterkirche vermittelt ein klares und übersichtliches Bild vom Zusammenhang der einzelnen Raumteile: Das Langhaus wird von niedrigen Anräumen begleitet und hat eine in der Mitte liegende Vierung, die durch ein Zeltdach mit kleiner, geschweifter Flachkuppel hervorgehoben ist; beiderseits treten die halbrund geschlossenen Querarme deutlich hervor; der Chor entspricht mit seinen Abseiten dem Langhaus.
Am gesamten äußeren Bau befinden sich weitgehend erneuerte architektonische Malereien: Sockelgeschoss und Pilaster mit Quaderung, Portalgewände und Fenster in breiter Rahmung.
Dem niedrigen, durch ein geringfügiges Einspringen der geraden Seitenwände angedeuteten Anschluss an die Klostergebäude im Süden entspricht im Norden eine elegant vorgewölbte Fassade, deren vertikale Gliederung durch die feine Höhenabstufung der beiden flankierenden Türme dezent aufgefangen wird.
Eine reiche Gliederung erfolgt durch Pilaster, kräftig profilierte Gesimse und differenziert geformte, an den Seiten in doppelten Reihen angeordnete Fenster.
Die nördliche Schaufront ist durch vier kolossale Dreiviertelsäulen auf hohen Sockeln in zwei schmale, konvex geschwungene Seitenachsen und einen breiten, gerade verlaufenden Mittelabschnitt unterteilt. In dieser unteren Zone befindet sich das große Hauptportal mit einer großen Inschriftkartusche darüber sowie links und rechts davon jeweils kleinere Eingangsportale.
Die mittlere Zone der Fassade ist durch drei große Rundbogenfenster aufgelockert; über dem mittleren Fenster befindet sich ein farbig gefasstes Stuckrelief des Erzengels Michael als Sieger über Luzifer (Quis ut Deus?), 1761/62 von Johann Michael Feichtmayr geschaffen; auf den Schenkeln des Sprenggiebels sitzen Putten mit Mitra und Wappen, im sanft geschweiften, hohen Giebel ist eine Rundbogennische mit der Steinfigur des hl. Benedikt (1759 von Joseph Christian) eingelassen, an den Giebelenden stehen als Begleitfiguren die Märtyrer Alexander und Theodor, denen die Kirche geweiht ist.
Die quadratischen, 82 m hohen Türme mit abgerundeten Ecken gehen über die Flucht der Langhausabseiten hinaus, ihr unteres Geschoss entspricht in der Höhe dem Hauptgeschoss der Fassade; anstatt Säulen herrscht eine mächtige Pilasterordnung; als lebhaft bewegter Abschluss ist eine vierseitig gedrückte Doppelzwiebelhaube aufgesetzt.
Die Dächer haben reizvolle Zwerchhäuser und Gauben; über dem Altarraum erhebt sich ein zierliches Türmchen.

Wird das Äußere von seiner Geschlossenheit bestimmt, überwältigt das Innere durch seine ungeheure Weite und Pracht.
Dem von Norden eintretenden Besucher erschließt sich ein Longitudinalbau, der von der Folge der raumerweiternden Pedentifkuppeln und von den hohen Rundbögen der Abseiten gleichäßig rhythmisiert erscheint. Erst von der Vierung aus ergibt sich der Eindruck eines Zentralbaus, indem die Symetrie der kreuzförmigen Anlage und die Entsprechung von Altarraum und Emporenjoch, von Chor und Langhaus sowie der beiden Querarme offensichtlich und die Vierung als beherrschender Pol erkennbar wird.
Das Mittelschiff hat eine Länge von 89 Metern und besitzt pro Seite 10 Marmorsäulen, welche das Hauptschiff von den Seitenschiffen trennen. Die Höhe in der Vierung beträgt 36 Meter, der Innendurchmesser der Kuppel 23 m. Die Decke ist durch drei große Kuppeln mit Fresken und zwei kleinere Gewölbefresken unterteilt.
Die Wandgliederung erfolgt durch stuckierte, farbig marmorierte Pilaster und Halb- bzw. Dreiviertelsäulen von kolossaler Größe, die zugleich die einzelnen Raumabschnitte innerhalb des Raumganzen einteilen.
Die Kapellen in den Langhausabseiten sind unter sich und mit dem Querhaus durch Durchgänge verbunden; in den Wänden sind flache, hohe Nischen eingelassen, die Südseite der beiden südlichen Kapellen ist apsisartig erweitert. An den Seitenwänden des Emporenjochs, des Altarraums und der Querarme befinden sich kleine Balkone.
Im Norden liegt die Empore auf drei Pfeilerarkaden auf, die geschwungene Brüstung wird von Engelshermen getragen.

 

 

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Der Innenraum ist spätbarock ausgestattet. Er gliedert sich in Eingangshalle, Hauptschiff mit östlichem und westlichem Seitenschiff, westliches und östliches Querschiff sowie den Chor.
Der Gesamtentwurf der Altäre stammt wohl von Johann Michael Feichtmayr, der auch die Stuckarbeiten ausführte; die figürliche Plastik von Joseph Christian. Mit der Fassung des Altäre aus grauem und rotem Stuckmarmor mit vergoldetem Rocailledekor und sarkophagförmigen Mensen wurde bereits 1761 begonnen; 1764-1766 fand ihre Aufrichtung statt.

Der als Raumabschluss sehr eindrucksvoll komponierte Hochaltar mit dem ikonografischem Programm der Trinität füllt als Blickfang mit seinem machtvollen Säulenaufbau die Chorwand in ihrer ganzen Ausdehnung. Im zierlich geformten Tabernakelaufsatz ist ein Silberrelief mit der Glorie des Christkindes eingelassen.
Das Altargemälde "Hl. Dreifaltigkeit im Ratschluss der Erlösung", gemalt 1763 von Johann Jakob Zeiler, wird flankiert von überlebensgroßen, weiss gefassten Stuckfiguren der Apostelfürsten Petrus und Paulus; daneben Anbetungsengel, vor den Außensäulen die Diözesanpatrone hll. Ulrich und Konrad. Über dem hohen Auszug mit der Glorie des Tetragrams mit einem Gewölk von Putten hängt ein Stuckbaldachin.

An beiden Seiten des Chorraums gruppieren sich das reich geschnitzte und eingelegte Chorgestühl mit dem Abtssitz sowie die Prospekte der Chororgeln.
Der Entwurf für das Chorgestühl (1754-56) stammt wohl von Joseph Christian, Karl Joseph Riepp sowie von Johann Michael Feichtmayr; die Schreinerarbeiten in Nussbaum von dem Kunstschreiner Martin Hermann aus Villingen, die Reliefs vom Bildhauer Joseph Christian (vollendet 1766).
Das Gestühl gilt als eines der schönsten des süddeutschen Barock und als einzigartig durch seine Verbindung mit den Chororgeln sowie durch die Feinheit seiner Reliefs und ist im Rang vergleichbar mit den großen oberschwäbischen Chorgestühlen des Ulmer Münsters und der Kartause in Buxheim.
Die geschnitzten, matt vergoldeten Relieftafeln stellen links alttestamentliche Szenen und rechts entsprechende Darstellungen aus der Vita des hl. Benedikt dar.
Das kräftige, über jedem zweiten Feld vorschwingende Gebälk, leitet zu den, nach der Klosterkirche Weingarten bedeutendsten Barockorgeln Schwabens über: links die große Dreifaltigkeitsorgel, rechts die kleinere Hl.-Geist-Orgel.

Der Kreuzaltar im Zentrum des Choranfangs ist in eine nischenförmige Aussparung der Chortreppe eingeschoben. Die umgebende, niedrige Brüstung mit Vasen und Putten besetzt. An der Tabernakeltür ist ein Lindenholzrelief des Emmausmahls angebracht (1782/83 von Johann Weinmüller); auf dem Tabernakel befindet sich ein als Gnadenkreuz verehrtes Kruzifix mit farbig gefasstem, romanischem Corpus im Viernageltypus (um 1200).

Die Seitenaltäre beiderseits des Choreingangs an den Vierungspfeilern haben weißgefasste Skulpturen: links der Erzengel Michael, rechts der Schutzengel.
Die beiden Altäre der nördlichen Vierungspfeiler zeigen den hl. Joseph sowie den hl. Johannes d.T.
In den Glasschreinen befinden sich Reliquien.

Die Querhausaltäre sind dem Aufbau des Hochaltares entsprechend, jedoch im Aufwand und Größe reduziert.
Im östlichen Querschiff (links) steht das Glaubenszeugnis frühchristlicher Märtyrer, vor allem der Kirchenpatrone Alexander, Theodor und Sebastian im Mittelpunkt, im westlichen (rechts) wird die Kraft des Gebets thematisiert.

Der östliche Querhausaltar zeigt das Altargemälde "Enthauptung des hl. Alexander" von Johann Jakob Zeiller (um 1762/63), die Seitenfiguren stellen die hll. Theodor und Sebastian dar, im Auszug oberhalb der Skulpturenengel das Gemälde eines Engels mit Märtyrerkrone und Palme.
Im Schrein der Mensa befindet sich die Figur "Unsere Liebe Frau von Eldern", das ehemalige Gnadenbild der 1806 abgebrochenen Wallfahrtskapelle Eldern (bei Ottobeuren-Reuthen), eine kleine, spätgotische Terracottastatuette einer sitzenden Muttergottes in farbiger Fassung, aus dem dritten Viertel des 15. Jh.
Der Altar im Norden des östlichen Querhauses zeigt das Gemälde der hl. Ursula von Januarius Zick (1766), seitlich stehen Figuren der hll. Barbara und Agatha.
Der Altar im Süden des östlichen Querhauses zeigt das Gemälde "Predigt des hl. Benedikt" von Joseph Mages (1766), seitlich Figuren der hll. Placidus und Maurus.

Der westliche Querhausaltar trägt das Gemälde "Papst Pius V. im Gebet zur Madonna während der Seeschlacht von Lepanto" (Seeschlacht zwischen der Heiligen Liga und den Osmanen, 1571) von Johann Jakob Zeiller (um 1762/63), seitlich stehen Figuren der hll. Dominikus und Katharina von Siena, im Auszug "Skapulierverleihung an den hl. Simon Stock".
Der Altar im Süden des westlichen Querhauses zeigt das Gemälde "hl. Benedikt und hl. Scholastika" von Joseph Mages (1766), seitlich sitzen Skulpturen der hll. Gertrud und Walburga.
Der Altar im Norden des westlichen Querhauses hat das Gemälde "Maria mit ihren Eltern" von Januarius Zick (1766) mit den seitlichen Figuren der hll. Zacharias und ?Elisabeth?.

An den nördlichen Vierungspfeilern befindet sich die Kanzel und gegenüber das Taufbecken (um 1763/64). Es sind aufwendige, spielerisch leichte Aufbauten in vollendetem Rokoko mit ganz in weiß gehaltenen, stark verinnerlichten Figuren, geschaffen von Johann Michael Feichtmayr nach Entwürfen von Johann Jakob Zeiler, die Plastiken von Joseph Christian.
Kanzel: über der geschweiften Konsole mit Engel, Putto und Gewölk hängt der dreiseitig geschwungene Korb; zwischen sitzenden Putten als Allegorien der vier Erdteile sind vergoldete Reliefs angebracht: Bekehrung des Saulus, Aussendung der Apostel und Tod des Judas. Auf dem reich geschwungenen, von Hermenkaryatiden gestützten Schalldeckel befindet sich ein kuppelförmiger Aufsatz mit der Figurengruppe der Verklärung Christi zwischen Moses und Elias, darüber Gottvater in Wolken.
Taufbecken: über einer Konsole mit dem Stuckrelief des Sündenfalls trägt ein vorschwingendes Gebälk die Figurengruppe der Taufe Christi im Jordan, seitlich Putten und Hermenkaryatiden als Vertreter der vier Erdteile, darüber Taube des Hl. Geistes, umgeben von Engeln, Putten und Wolken, oben Gottvater.

In den Seitenschiffen befinden sich jeweils zwei Kapellen, in denen die Mensen und retabelartigen Reliquienschreine der Kapellenaltäre
in den Nischen der Südwände frei stehen und mit den stuckierten Wandaufbauten dahinter eine optische Einheit bilden.
Über den Durchgängen hängen Altarblätter von Johann Jakob und Franz Anton Zeiller, 1762:
links: "Tod des hl. Martin" (F.A. Zeiller) und "hl. Antonius von Padua" (J.J. Zeiller);
rechts: "hl. Nikolaus als Helfer in Seenot und Bedrängnis" (J.J. Zeiller) und "hl. Johann Nepomuk" (F.A. Zeiller).
In den Kapellen hängen Gemälde:
links: "Geburt Christi" von Johann Christoph Storer, 1633 und Kreuzigung um 1700, wohl von Johann Friedrich Sichelbein.
rechts: "Himmelfahrt Mariä" von Johann Christoph Storer, 1633 und "hl. Alexander, Theodor und Sebastian" um 1700, wohl von Johann Friedrich Sichelbein.

Im Fußboden des Mittelgangs im nördlichen Teil des Hauptschiffes ist die Gruftplatte mit den Namen von fast allen zwischen 1584 und 1807 verstorbenen Äbten sowie der Bauherren eingelassen.

Der variantenreich und schwungvoll gearbeitete Rocaillestuck, teilvergoldet und mit zartem Blatt und Blumenwerk durchsetzt, stammt von Johann Michael Feichtmayr (1757-1764).
An den Gewölbezwickeln befinden sich große Kartuschen in aufgelösten Formen, die der Hauptgewölbe mit farbig gefassten Putten; über dem Chorbogen von Engeln und Putten gehaltene Abteiwappen unter einer Vorhangdrapperie.
Auf den Gesimsen unter den Pedentifs der Kuppeln sind bewegte Stuckfiguren: im Chor Religio und göttliche Tugenden, in der Vierung Kirchenväter, im Langhaus Ordenstugenden.
Im Langhaus über den Pfeilern der Kapellenarkaden Stuckreliefs des Guten Hirten und der Heimkehr des verlorenen Sohnes; an den Pilastern und in den Kapellen Reliefbüsten der zwölf Apostel.

Vielfigurige Deckenfresken in locker verteilten Farben: 1757-59 durch Johann Jakob Zeiler unter Beteiligung seines Cousins Franz Anton Zeilers ausgeführt; nach dessen Ausscheiden 1760 und einer mehr als einjährigen Unterbrechung 1763/64 durch Johann Jakob Zeiler vollendet.
Es ist ein Hauptwerk des aus Reute stammenden Malers, "wichtig für die Entwicklung seines bisher von der österreichischen Tradition, im besonderen von seinem Lehrer Paul Troger beeinflußten Stils und für die Hinwendung zu den stilistischen Eigenarten süddeutscher Großmalerei" (Dehio).
Das ikonographische Programm steht, beginnend im Hochaltarblatt, unter dem Generalthema des Erlösungsgedankens;
im Chor: im Hochaltardeckenfresko "Anbetung des Lammes auf dem Buch mit den sieben Siegeln";
in der Chorkuppel: "die Dreifaltigkeit über den neun Engelchören"; in den Zwickeln: Zug der Israelisten durch das Rote Meer und Vertreibung des Heliodor, Reinigung des Josua und Heilung des Heliodor.
in der Vierung: "das Pfingstwunder und Verehrung der Ecclesia durch die Vier Erdteile", im Scheitel der Heilige Geist als Taube, umgeben von sieben Engeln als Repräsentanten der sieben Geistesgaben (Südhälfte von J.J. Zeiller; Nordhälfte von F.A. Zeiller); in den Zwickeln die Evangelisten Johannes und Matthäus, Markus und Lukas;

im östlichen Querarm (Thema: Glaubenszeugnis frühchristlicher Märtyrer): "Verurteilung der hl. Felizitas und ihrer sieben Söhne" (F.A. Zeiller);
im westlichen Querarm (Thema: die Kraft des Gebets): "Maria als Gnadenvermittlerin und Fürbitterin der Christenheit" (J.J. Zeiller);
über dem Mittelschiff des Langhauses: "hl. Benedikt im Lichtstrahl der göttlichen Geist-Taube, umgeben von heiligen des Benediktinerordens" (J.J. Zeiller), in den Zwickeln: Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt;
In den Abseiten: Darstellungen aus dem Leben der jeweiligen Kapellenpatrone:
östliches Seitenschiff: "Eselswunder des hl. Antonius von Padua" und "Mantelteilung des hl. Martin";
westliches Seitenschiff: "Hl. Nikolaus rettet unschuldig zum Tod Verurteilte" und "hl. Johann Nepomuk wahrt das Beichtgeheimnis";
im Emporenjoch: "1000-jähriges Ottobeuren" (F.A. Zeiller);
in der Vorhalle: "Vertreibung der Geldwechsler und Händler aus dem Tempel", "Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner" und "Opfer der armen Wittwe und des reichen Pharisäers" (J.J. Zeiller).