Wappen Unterallgäu St. Magnus Unterrammingen

 

 

 DEBYUAL3900  St. Magnus Unterrammingen

 

 POI-Art: Sehenswürdigkeit, Kirche
 Besonderheit: Fresken von Johann Baptist Enderle
 Baustil: Spätbarock/Rokoko
 Baujahr: 1767–68
 Adresse: 86871 Rammingen, Kirchplatz 2
 Geo: 48.070000, 10.581667
 Lage:

Karte

 Parken: Kirchplatz
 Bewertung: 2**  (von 5*****)
 Links:

www.rammingen.de/rammingen/kirchen/katholisch

de.wikipedia.org/wiki/St._Magnus_(Unterrammingen)

 

Der Ort Unterrammingen wurde 1094 erstmals urkundlich erwähnt, eine Kirche St. Magnus dürfte aber schon früher bestanden haben.
Im späten 13. Jh. ging Unterrammingen an die Herrschaft Mattsies über und St. Magnus wurde zu einer Filialkirche der dortigen Pfarrei.
Hans von Stein zu Mattsies überließ die Kirche 1469 der Pfarrei Türkheim, die damals dem Kloster Denkendorf bei Esslingen am Neckar gehörte.
Herzog Albrecht V. von Bayern kaufte 1560 vom Kloster Denkendorf die Pfarrei Türkheim einschließlich der Filialkirche in Unterrammingen mit sämtlichen Rechten und Gütern und veräußerte sie 1562 an Hans und Markwart von Stein zu Mattsies, die die Pfarrei Unterrammingen 1565 wiederherstellten.
Zusammen mit der Herrschaft Mattsies kam die Pfarrei 1598 an die Fugger, ging 1679 an Herzog Maximilian Philipp Hieronymus von Bayern über und kam 1705 zum Kurfürstentum Bayern.

Vom spätgotischen Vorgängerbau der Kirche St. Magnus ist der mächtige quadratische Turm mit Kleeblattbogenfriesen aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. erhalten geblieben. Da dieser ältere Kirchenbau Mitte des 18. Jh. baufällig war, legte Pfarrer Joseph Anton Germiller am 12. Juni 1761 Pläne für den Neubau an den kurfürstlich geistlichen Rat in München vor und Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern genehmigte einen kostengünstigen Kostenvoranschlag am 23. Februar 1765.
Baubeginn der neuen Kirche war Ende März 1767, im April 1768 war das Langhaus gedeckt und bis zum Ende des Jahres auch der Chor.
Der Baumeister war Joseph Stiller, die Gesamtkosten des Baus betrugen 5581 Gulden. Aus Kostengründen wurden angeblich 25.000 Ziegelsteine von der abgebrochenen Burg Angelberg (bei Tussenhausen) für den Kirchenbau verwendet.
Der damalige Pfarrer Germiller übernahm die Kosten des Stucks, der Fresken und des Hochaltars, zusätzlich stiftete er 500 Gulden für die Anschaffung einer Orgel.
Das ursprüngliche Satteldach wurde 1796 durch das oberste Geschoss mit abgeschrägten, pilasterbesetzten Ecken und laternenbekrönter Kuppelhaube ersetzt.
Die Kirchenweihe erfolgte erst 1818 durch Weihbischof Franz Karl Fürst zu Hohenlohe.
Renovierungen wurden innen 1947-48, außen 1968 sowie erneut Ende der 2000er Jahre durchgeführt.

 

 

St. Magnus ist eine lichte, fünfjöchige Saalkirche mit ausgerundeten Ostecken; über einer Pilastergliederung eine allseits abgemuldete, flach gewölbte Decke, in die östlich Grate einschneiden. Im Westen befindet sich eine Doppelempore
Der zweijöchige Chor ist eingezogen, flachbogig geschlossen, mit lebhaft geschwungenen, zu Dreiergruppen zusammengefassten Fenstern im Ostjoch; das Westjoch hat gleichartige, gemalte Gruppen von Scheinfenstern, von denen das westliche an der Südseite im Unterteil von einer stichbogigen Oratoriumsöffnung mit einer gemalten Balusterbrüstung und einem spiraligen Eisengitter durchbrochen ist.
Die Außengliederung erfolgt durch toskanische Pilaster; 1968 wurde die alte Farbgebung, goldgelb auf weißem Grund, wiederhergestellt.
An der nördlichen Chorflanke steht der massive quadratische Turm mit Kleeblattfriesen, einem Aufsatz mit abgeschrägten, je zwei geknickten Ecken, die mit toskanischen Pilastern besetzt sind, darüber eine achteckige Kuppelhaube mit Laterne und Zwiebelkuppel. Der freistehende Turm ist durch einen schmalen Zwischenbau mit der Nordseite des Chors verbunden.
Die an der Südseite des Chores angebaute zweigeschossige Sakristei mit Pultdach wurde 1819 um eineinhalb Meter nach Osten erweitert.

 

 

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Die prunkvollen Altäre stammen von Dominikus Bergmüller, die vorzüglichen Figuren und ornamentalen Schnitzereien wohl von Johann Michael Hegenauer aus Türkheim.
Der mächtige Hochaltar mit konkavem, sechsäuligem Aufbau von 1771-73 ist eine Stiftung des Pfarrers Joseph Anton Germiller (er kostete 900 Gulden, das Pfleggericht Türkheim genehmigte am 3. April 1771 150 Gulden für die Fassung des Altars).
Im Zentrum das Gemälde: "hl. Magnus als Beschützer des Ortes", von Johann Baptist Enderle, 1771; zwischen den inneren Säulenpaaren Figuren der hll. Johannes Baptist und Johann Nepomuk, außen hl. Ulrich und hl. Benno, im Auszug Hl. Dreifaltigkeit.
Die etwas schlichteren, schräggestellten Seitenaltäre von 1775 haben neubarocke Altargemälde aus dem Jahr 1948 sowie gedrungene Figuren; links die Apostelfürsten Petrus und Paulus, rechts hl. Ignatius und hl. Franz Xaver.
Die Rokokokanzel um 1775, stammt vermutlich ebenfalls von Dominikus Bergmüller; am zylindrischen Korb Putten mit den Attributen von Glaube, Hoffnung und Liebe, auf dem Schalldeckel mit den Symbolen des Lehr- und Hirtenamts, oben das Jesuskind im Strahlenkranz.

Reiche Stukkaturen mit langgezogenen, schlanken Rocaillen und vereinzelten, dünnen Rankenzweigen, wohl 1769 von Andreas Henkel aus Mindelheim; unter den Fenstern üppiger Dekor mit Apostelkreuzen und Rosen, auf den Pilastergebälken sitzen stuckierte Putten.
Die Deckenfresken in zarten, hellen Farbtönen malte 1769 Johann Baptist Enderle;
im Chor: "Kampf des Erzengels Michael gegen Luzifer", in Kartuschen göttliche Tugenden, hl. Joseph und hl. Antonius von Padua;
im Langhaus: "Szenen aus dem Leben des hl. Magnus" (Abschied des hl. Magnus von seinen Eltern, Plünderung, Zerstörung und Neubau des Klosters Sankt Gallen durch Herzog Othwin von Schwaben, Magnus besiegt in Begleitung seines Gefährten Tozzo einen Drachen, Predigt des hl. Magnus), in Kartuschen Evangelisten, Kardinaltugenden und die vier Kirchenväter;
an den Emporenbrüstungen: unten Ölberg, Kreuztragung und Geißelung, oben Auferstehung, Pfingstfest und Christi Himmelfahrt.
An den Längswänden im Langhaus und unter der Empore an der Westwand befinden sich 14 Kreuzwegstationen von Johann Michael Ziegler aus dem Jahr 1778.