Wappen Unterallgäu St. Rasso Untergammenried

 

 

 DEBYUAL3900  St. Rasso Untergammenried

 

 POI-Art: Sehenswürdigkeit, Kirche
 Besonderheit: Ehem. Wallfahrtskirche
 Baustil: Barock/Rokoko
 Baujahr: 1746-47
 Adresse: 86825 Untergammenried 6
 Geo: 47.979171, 10.579418
 Lage:

Karte

 Parken: St. Rasso-Str.
 Bewertung: 1*  (von 5*****)
 Links: de.wikipedia.org/wiki/St._Rasso_(Untergammenried)

 

Im Jahr 1714 errichteten drei Bauern aus Untergammenried (die Brüder Georg und Sebastian Zillober sowie Georg Huber) eine Kapelle und stellten darin ein Bild des hl. Rasso auf, das sie aus dem oberbayerischen Wallfahrtsort Grafrath (Ldkr. Füstenfeldbruck) mitgebracht hatten.
Den beiden Brüdern soll im Traum ein Bild des hl. Rasso erschienen sein, dem sie das Patrozinium der Kapelle widmeten.
1716 erhielt die Kapelle die "licentia celebrandi" und Weihbischof Johann Jakob von Mayr konsekrierte sie am 13. September 1723.
Darauf entwickelte sich eine rege Wallfahrt, worauf 1746/47 ein größerer Neubau (die heutige Kirche) errichtet wurde. Unterstützt wurde der Bau durch den Wörishofener Amtspfleger Johann Joseph Hechenrieder, Pfarrer Franz Joseph Anton Schönagl aus Wörishofen und die Priorin des Augsburger Katharinenklosters, Freifrau von Bodmann, die der Kirche eine Rasso-Reliquie schenkte, die sie vom Propst von Diessen aus Grafrath erhalten hatte.
Die drei Untergammenrieder Bauern, die bereits die erste Kapelle errichtet hatten, übernahmen wiederum einen Teil der Kosten des Neubaus; Ulrich Huber stellte den Bauplatz, seinen Garten, zur Verfügung.
Der Grundstein wurde am 13. Juni 1746 von zwei Ratsherren aus Mindelheim gelegt, die auch eine Spende der Mindelheimer Bürgerschaft übergaben. Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden konsekrierte die Kirche am 13. Oktober 1756.
Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche 1804 geschlossen und erst 1814 wieder geöffnet; Pfarrer Sebastian Kneipp aus Bad Wörishofen hielt einmal im Jahr hier einen Gottesdienst.
1855 erfolgte eine umfangreiche Renovierung, weitere wurden 1970 (außen) und 1975 (innen) durchgeführt.

 

Trotz der bescheidenen architektonischen Mittel erziehlt der Kirchenbau eine gute Raumwirkung durch die starke Vertikalisierung der Proportionen und die reiche Wand- und Altarausstattung der Erbauungszeit (Dehio).
St. Rasso ist ein flachgedeckter Saalbau mit ausgerundeten Ostecken; vor der Mitte der Westwand befindet sich ein querovaler Einbau als Stütze des Turms und als Zugang zur geschwungenen Doppelempore. Der eingezogene Chor ist halbrund geschlossenen.
Schlichter Außenbau; über dem Westgiebel ist ein Dachreiter mit einem Zeltdach aufgesetzt.

 

 

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Der Doppelaltar mit eindrucksvolem Aufbau, nach Art eines barocken "theatrum sacrum", füllt den gesamten Chor.
Die dreiachsige Kulisse des vorderen (unteren) Altars ist vertikal gestrafft; in den Seitenachsen der hohen Sockelzone befinden sich rundbogige Türen zur Sakristei, darüber unter geschwungenen Arkaden große Holzfiguren der Kirchenväter.
Auf der Galerie im Chorscheitel sitzt der obere Altar um 1714 (Gnadenaltar der ersten Kapelle) mit einem Gemälde des hl. Rasso aus dem späten 19. Jh., flankiert von Figuren der hll. Willibrord und Bonifatius.
Skulpturen der Seitenaltäre: links: Geißelheiland, seitlich die hll. Florian und Georg von Ende des 15. Jh.;
rechts: hl. Johann Nepomuk; seitlich die hll. Katharina und Dominikus.

Der Rokokostuck de Chores wurde um 1747 geschaffen: lockeres Rocailledekor mit Bandelwerk und zarte Blumenketten.
Die Deckenfresken malte 1747 Joseph Hartmann: im Chor: St. Rasso als Fürbitter der Notleidenden, beiderseits des oberen Altars der Kirchenpatron als Augustinerchorherr im Gebet (links) und als Feldherr zu Pferd in der Ungarnschlacht (rechts); über dem Chorbogen befindet sich eine kleine Wappenkartusche des Augsburger Klosters St. Katharina;
im Langhaus: St. Rasso bittet den Bayernherzog Heinrich um seine Entlassung aus dem Kriegsdienst für den Bau eines Klosters, seitlich die vier Elemente als Allegorien der Nöte, in denen der hl. Rasso hilft; über der Orgel an der Westwand seine Halbfigur.
An der Decke und den Wänden befinden sich aufwendige Architektur- und Dekorationsmalereien in Form von Stuckimitationen und Scheinpilastern.